|
Da wir immer wieder und in der letzten Zeit häufiger zu ETF’s angesprochen werde, greifen wir dieses Thema an der Stelle gerne nochmal auf. Da ETF’s in den Medien immer wieder positiv erwähnt und für die Geldanlage pauschal empfohlen werden, entsteht manchmal der Eindruck, von einem ‚must-have‘, einer besonders vorteilhaften Anlagemöglichkeit, die man gerne auch haben möchte. Das Kürzel ETF steht für Exchange (Börse) Traded (gehandelt) Fund (Fonds), also ein an der Börse gehandelter Investmentfonds. Grundsätzlich ist der ETF von seinem Wesen her ein einfach konstruierter Investmentfonds, der die Wertentwicklung eines bestimmten Marktindex eins zu eins abbildet, ohne dass dabei ein Fondsmanagement aktiv tätig ist und nach eigener Marktmeinung bestimmte Gewichtungen von Aktien, Branchen oder Regionen vornimmt. Die Gebühren von ETF’s sind daher auch deutlich günstiger und liegen auf das Jahr bezogen zwischen ca. 0,2 und 0,5 % bezogen auf die Anlagesumme. Aktiv gemanagte Fonds hingegen sind mit 1,5 bis 2 % deutlich teurer. Das bedeutet, dass zunächst diese Kosten verdient werden müssen, bis beim Anleger etwas ankommt. In dieser Kostenstruktur ist u.a. die Beratervergütung mit ‚eingerechnet‘. Um die höheren Kosten zu rechtfertigen, braucht es einen erkennbaren Mehrwert für den Anleger. Dies muss nicht allein, die erreichte p.a. Rendite sein. Ein geringeres Schwankungsrisiko des Fonds bzw. des gesamten Depots und/oder ein persönlicher Berater als zuverlässigen Ansprechpartner in allen Marktphasen sind entsprechende Vorteile, die diesen Mehrwert ausmachen können. ETF’s sind von ihrer günstigen Kostenstruktur in erster Linie für Selbstentscheider attraktiv. Informationsquellen gibt es im Internet reichlich. Sehr hilfreich ist übrigens die Seite justetf.com. Langfristig angelegte Sparpläne für den langfristigen Vermögensaufbau für junge Menschen lassen sich dabei leichter allein und ohne Berater mittels ETF’s realisieren. Bei der Strukturierung größerer Vermögen und/oder Umsetzung von Entnahmestrategien in der Ruhestandsphase ‚auf eigene Faust‘ ohne fachkundige Beraterunterstützung wird’s schon wesentlich komplexer. In diesem Fall reichen zwei oder drei ETF’s kaum aus. Dann geht es darum, selbstständig…
Damit dürfte die große Anlegermehrheit ein Stück weit überfordert sein. So wird aus dem ‚einfachen‘ ETF, einem sogenannten ‚passiven Investment‘ plötzlich doch wieder eine Anlageform, um die man sich richtig ‚aktiv‘ kümmern muss. Der Hype um ETF’s, erzeugt durch eine breite mediale Unterstützung, hat sicherlich auch damit zu tun, dass mittlerweile seit 2010 die Aktienmärkte tendenziell nach oben laufen. Große und langandauernde Baissen hat es seitdem nicht mehr gegeben und werden ausgeblendet. Bedenken sollte man aber, dass es immer wieder lange Phasen gab, an denen Aktienmärkte unter großen Schwankungen nicht von der Stelle gekommen sind. Beispielhaft hier die Zeiträume 1962 bis 1982 oder 2000 bis 2010. Gute Erträge bei Dow Jones oder Dax – Fehlanzeige. Mit ETF’s auf Indizes wäre man da nicht weit gekommen. In diesen Zeiträumen wären sicherlich gute, flexible und aktiv gemanagte (Misch-)Fonds die bessere Wahl gewesen, wie es die nachstehende Grafik anhand von drei grundsätzlich unterschiedlichen Fondsarten zeigt. |
![]() |
|
Und auch sonst können vor allem flexible und ausgewogene Mischfonds mit einer breiten Streuung und einer langjährig angemessenen Rendite nach Kosten vor allem mit einer geringeren Schwankung punkten. Fazit: Ein kritischer Blick auf’s Fondsdepot lohnt sich immer. Und ETF’s haben ihre Berechtigung. Das Angebot ist mittlerweile so groß, dass sich diese gut in die Anlagestrategie einbauen lassen. Die ‚Eier-legende-Wollmilch-Sau‘ indes sind sie nicht. Vor allem in einer Marktphase, wo viele Indizes mittlerweile Höchststände erreicht haben. Die Gefahr ist groß, dass wie schon so oft, viele Anleger mit einem Rückspiegel-Blick genau den Trends folgen, die in der jüngeren Vergangenheit am besten gelaufen sind. |
12 März 2026
0
PASSIV = AKTIV
12. März 2026

